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Materielle Überreste? Das DDR-Grenzregime und die Gestaltung einer Erinnerungskultur in der Gegenwart | 19. November 2022

Am Samstag, 19.11.2022 fand von 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr ein Netzwerktreffen zum Engagement am Grünen Band“ (LHBSA) mit der Beauftragten des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn statt.

Vereine, ehrenamtliche Initiativen und engagierte Privatpersonen waren herzlich eingeladen zum diesjährigen Netzwerktreffen zum Grünen Band. Ziel des Treffens war es, die durch Vereine bewahrten Gedenkorte und Erinnerungszeichen sowie die museale Erinnerungskultur am Grünen Band zu erkunden und Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit bei der historischen Aufarbeitung des DDR-Grenzregimes als Geschichte des Grünen Bandes zu eruieren. Als Redner konnte Dr. Andreas Ludwig vom renommierten Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam gewonnen werden. Die Workshops wurden von erfahrenen Personen der Museumslandschaft Sachsen-Anhalt angeleitet. Dabei wurden zeitgenössische Formen der Dokumentation besprochen und die Ressourcen der Akteur*innen am Grünen Band gebündelt. Es fand ein Austausch über aktuelle Fragen zur Vereinsarbeit statt. Am Ende sollte die Vernetzung und Zusammenarbeit der Vereine und der Landesinitiativen zur Aufarbeitung der Zeitgeschichte intensiviert und gegenseitiger Austausch über Projekte zum heutigen Umgang mit der DDR-Geschichte am Grünen Band erreicht werden. Ziel des Treffens war es, die durch Vereine bewahrten Gedenkorte und Erinnerungszeichen sowie die museale Erinnerungskultur am Grünen Band zu erkunden und Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit bei der historischen Aufarbeitung des DDR-Grenzregimes als Geschichte des Grünen Bandes zu eruieren. Als Redner konnte Dr. Andreas Ludwig vom renommierten Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam gewonnen werden. Die Workshops wurden von erfahrenen Personen der Museumslandschaft Sachsen-Anhalts angeleitet. Dabei wurden zeitgenössische Formen der Dokumentation besprochen und die Ressourcen der Akteur*innen am Grünen Band gebündelt. Der Austausch informierte ebenfalls über aktuelle Fragen zur Vereinsarbeit. Am Ende sollte die Vernetzung und Zusammenarbeit der Vereine und der Landesinitiativen zur Aufarbeitung der Zeitgeschichte intensiviert und gegenseitiger Austausch über Projekte zum heutigen Umgang mit der DDR-Geschichte am Grünen Band erreicht werden.

Sonderführung zum 33. Jahrestag der Grenzöffnung | 9. November 2022 um 14:30 Uhr

Anlässlich des 33. Jahrestages der Grenzöffnung fand in der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn am 9. November um 14:30 eine kostenlose Sonderführung statt.

Die Führung war die letzte Möglichkeit in diesem Jahr, das Innere des ehemaligen Kommandantenturm zu sehen. Ab dem 10. November ist dieser bis zum 28. Februar aufgrund von Energiesparmaßnahmen für den Besucherverkehr gesperrt. Auch die Ausstellungsbereiche in der Passkontrolle und im Zoll der DDR sind über den Winter nur im Rahmen von Rundgängen zugänglich. Interessierte können über Videoclips Eindrücke aus dem Inneren der Gebäude erhalten. Dafür müssen sie nur mit ihren Smartphones die QR-Codes auf den entsprechenden Informationstafeln scannen.

Das Außengelände und die Ausstellung im Besucherzentrum können weiterhin regulär besichtigt werden.

Tag der Deutschen Einheit und Fest der Begegnung | 3. Oktober 2022

Die Gedenkstätte feierte den Tag der Deutschen Einheit und bot ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm. Den Auftakt bildete der traditionelle Bittgottesdienst um 11 Uhr, dieses Jahr zum Thema „Frieden“.

Um 13 Uhr wurde die neue Wechselausstellung „Deutschland Übergestern“ mit Fotografien von Dario Laganá eröffnet. Die Bilder erzählten von überwundenen Misserfolgen, gemeisterten Herausforderungen und Neuanfängen nach der Wende. Denn für viele Ostdeutsche brachte die Friedliche Revolution vielfältige und oftmals erzwungene Umbrüche in allen Lebensbereichen.

Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen fanden zwischen 13 und 15 Uhr über das Erleben der deutschen Teilung statt. Für die musikalische Unterhaltung sorgte die Band „Kiepengold“ mit einem Live-Programm aus Rock, Pop, Oldies und Schlager.

Das Technische Hilfswerk und die Freiwilligen Feuerwehren Haldensleben und Marienborn boten ein Kinderprogramm mit Hüpfburg.

Der Deutsche Amateur-Radio-Club Nord-Elm e.V. zeigte seine Ausstellung zur Funk- und Fernmeldetechnik und bot um 12 Uhr eine Sonderführung für Technik-Interessierte an.

Öffentliche Rundgänge in der Gedenkstätte fanden um 10:00, 12:30, 14:30 und 15:30 Uhr statt. Am Grenzdenkmal Hötensleben wurden um 11:00 Uhr, 13:00 Uhr und 15:00 Uhr Rundgänge angeboten.

Für Freizeitradler:innen bot die Gedenkstätte um 14 Uhr eine geführte Radtour entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze an und Filmfans konnten sich den von Jugendlichen entwickelten Motion-Comic „Grenzübertritte“ anschauen.

Das Magdeburger Bundesarchiv, Stasi-Unterlagen-Archiv, die Beauftragte des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur waren an den Info-Ständen vertreten und informierten über ihre Arbeit.  Das Programm finden Sie hier:

 

Vortrag mit Dr. Bart Quintelier | 20. September 2022, 15:30 Uhr

Das Erbe einer Geheimpolizei. Zugang zu den Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR

Dr. Bart Quintelier, Außenstellenleiter des Stasi-Unterlagen-Archivs Magdeburg, gab einen Einblick in die Aufgaben des Stasi-Unterlagen-Archivs, die das Stasi-Unterlagen-Gesetz (StUG) definiert. Am Beispiel der persönlichen Akteneinsicht vollzog er den Weg von der Antragstellung bis zur Einsichtnahme in die Stasi-Unterlagen nach und umriss dabei auch die besonderen Vorschriften des StUG, die die vom MfS menschenrechtswidrig gesammelten Informationen vor unrechtmäßigem Zugriff schützen.

Einige Daten zum Umfang des beim Stasi-Unterlagen-Archiv in Berlin und seinen 12 Außenstellen verwahrten Materials, zur Bearbeitung von Anträgen und Ersuchen sowie Informationen zur mittel- und langfristigen Entwicklung des Stasi-Unterlagen-Archivs im Bundesarchiv ergänzten den Vortrag. 

Ursprünglich war Alexandra Titze, Vizepräsidentin des Bundesarchivs und Leiterin des Stasi-Unterlagen-Archivs, als Referentin eingeplant. Sie wurde krankheitsbedingt vertreten.

Weitere Informationen zum Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv finden Sie hier.

Tag des offenen Denkmals | 11. September 2022, 10 bis 17 Uhr

„KulturSpur. Ein Fall für den Denkmalschutz“

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz rief alljährlich zum Tag des offenen Denkmals auf. Das diesjährige Motto lud dazu ein, sich auf die Spurensuche an historischer Bausubstanz zu begeben. Die ehemalige Grenzübergangsstelle Marienborn ist nur noch in gewissen Teilen erhalten, einige Gebäude wurden in den 1990er Jahren abgerissen. Das, was erhalten wurde, ist heute denkmalgeschützt und ein wichtiger Teil deutscher Erinnerungskultur. Der Erhalt und die Pflege der historischen Bausubstanz sind essentiell. Doch wie gehen wir damit um? Architektur-Studierende der TU Darmstadt haben sich inspirieren lassen und präsentieren am Tag des offenen Denkmals ihre Ideen für den Umgang mit dem historischen Ort.

Das Programm in der Gedenkstätte:

  • Öffentliche Rundgänge um 11 und 14:30 Uhr
  • Eröffnung der Ausstellung mit den Studierenden der TU Darmstadt um 13 Uhr
  • Möglichkeit zum Austausch mit den Studierenden bis 16 Uhr
  • kostenloser Besuch der Dauerausstellung möglich

Das Programm am Grenzdenkmal Hötensleben:

Weitere Informationen zum Tag des offenen Denkmals finden Sie hier.

Musikalische Lesung mit Karl-Heinz Bomberg und Erika Kunz | 8. September 2022, 17 Uhr

„Seelische Narben. Freiheit und Verantwortung in den Biographien politisch Traumatisierter der DDR“

Karl-Heinz Bomberg wurde 1955 in Thüringen geboren. Der promovierte Mediziner, Psychoanalytiker und leidenschaftlicher Musiker kritisierte zunehmend die DDR. Als eine Band mit „staatsfeindlichen“ Texten, das eigentlich nach West-Berlin gehen sollte, stattdessen einem Inoffiziellen Mitarbeiter der Staatssicherheit in die Hände fiel, wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. 1984 wurde Bomberg für drei Monate aus politischen Gründen verhaftet. Diese Erfahrung wirkt bis heute nach.

Bomberg behandelt aber auch selbst Opfer des SED-Regimes und setzt sich immer wieder mit den Folgen der Verhaftungen auseinander. In der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn präsentierte er sein Buch „Seelische Narben. Freiheit und Verantwortung in den Biographien politisch Traumatisierter der DDR“. Darin lässt der Autor politisch Verfolgte zu Wort kommen und thematisiert ihren Umgang mit Freiheit und Verantwortung – auch angesichts der aktuellen COVID-Pandemie. Bomberg bettete die Erfahrungsberichte in theoretische Grundlagen der psychoanalytischen Traumatherapie ein. Am Ende stand die Frage, ob die Betroffenen mit sich selbst versöhnt sind.

Erika Kunz begleitete die Lesung musikalisch mit dem Keyboard. Bomberg selbst spielte Gitarre und sang.

Finissage zur Wechselausstellung mit Alexander Kupsch | 1. September, 17 Uhr

"Die Mauer 1961 - 2021"

Die Erinnerung an die Berliner Mauer wirkt noch nach, manche meinen, die Mauer sei noch „in den Köpfen“. Der Fotograf Alexander Kupsch nimmt sich dieses Phänomens in seiner Ausstellung „Die Mauer 1961-2021“ auf besondere Weise an: Er überblendet historische Fotos mit Bildern aus der Gegenwart. So zeigt er, wie die Mauer aussähe, stünde sie noch heute. Wo heute Verkehr fließt, Neubauten stehen und sich Passanten über die ehemalige Grenze bewegen, zeigen ins Bild montierte Wachtürme, Grenzsoldaten und Panzersperren die vormals gewaltsame Teilung der Stadt.

Bei der Finissage führte Alexander Kupsch durch die Ausstellung  und sprach über seine Konzeption. „Die Mauer 1961-2021“ war vom 8. Juli bis 1. September 2022 zu sehen. Die Ausstellung wird durch die Bundeszentrale für politische Bildung gefördert.

 

Geschichte zum Er-fahren: Radtourismus auf dem „Europa-Radweg Eiserner Vorhang“ | 11. August, 17 Uhr

Wo in der Zeit des Kalten Krieges Zäune, Stacheldraht und Wachtürme jegliche Bewegung zwischen Ost und West verhindern sollten, können Radreisende heute ungehindert das ehemalige Grenzland befahren. Am "Europa-Radweg Eiserner Vorhang" (Iron Curtain Trail) sind 20 Länder beteiligt, darunter 15 Mitgliedstaaten der EU. Beginnend an der Barentssee verläuft der Rad- und Wanderweg an der Westgrenze der ehemaligen Warschauer Pakt-Staaten bis zum Schwarzen Meer. Die EU fördert das Projekt als Vorbild für nachhaltigen Kulturtourismus. Auch das ehemals geteilte Berlin ist heute auf dem "Berliner Mauer-Radweg" er-fahrbar.

Der Grünen-Politiker und Europaparlamentarier Michael Cramer gab einen Einblick in die Entwicklung des Radtourismus an früheren Nahtstellen des Ost-West-Konflikts.  

Szenische Lesung „Heimatsehnen“ und Gespräch mit Julia Raab zur Grenzschließung 1952 | 3. Juli 2022, 11 Uhr

Infolge der staatlich angeordneten Zwangsaussiedlungen aus dem DDR-Sperrgebiet 1952 wurden tausende Menschen ihrer Heimat beraubt. Im Rahmen der „Aktion Ungeziefer“ und „Aktion Grenze“ ließ die kommunistische Staatsführung als politisch unzuverlässig kriminalisierte Menschen in das Innere der DDR deportieren. Diesen Ereignissen geht die Hallenser Figurenspielerin Julia Raab im Rahmen eines Arbeitsstipendiums nach. Gemeinsam mit der Dramaturgin Sandra Bringer recherchierte sie Zeitzeug:innen und historische Dokumente. In der für die Lesung zusammengestellten Auswahl von Texten führt sie durch das Erleben der ersten Aussiedlungswelle. Dabei geht sie den Fragen nach: Was nimmt man mit, wenn nur 24 Stunden bleiben, um sein Leben umzusiedeln? Was geht in einem Menschen vor, der so eine Nachricht erhält? Wie schwer muss diese Sehnsucht nach dem zwanghaft verlassenen Ort sein? Was bleibt von der Heimat?

Die 30-minütige Lesung mit Objekt- und Figurenspiel wurde musikalisch begleitet von Pianist Alexander Hohaus. Für die Dramaturgie ist Sandra Bringer verantwortlich.

Im Anschluss an die Lesung sprach Gedenkstättenleiterin Dr. Susan Frisch mit der Künstlerin, der Dramaturgin und dem Zeitzeugen Dr. Gerhard Muth über die Zwangsaussiedlungen und die Bedeutung der Grenzschließung für die Menschen in der DDR.

Die Recherche für die szenische Lesung fand im Rahmen des Residenzstipendiums des Fonds Darstellende Künste e.V. und dem Netzwerk Freie Theater mit dem Partnertheater WUK Theater Quartier statt.

 

Premierenmatinee zum ersten Motion Comic „Grenzübertritte“ | 26. Juni 2022, um 11 Uhr in Helmstedt

Im Projekt „MoCom – Motion Comics als Erinnerungsarbeit“ gestalten Jugendliche animierte und vertonte Kurzgeschichten, sogenannte Motion Comics. Sie ermöglichen, Geschichte(n) der deutschen Teilung aus neuen Perspektiven heraus zu vermitteln. Die Teilnehmenden – junge Menschen mit und ohne Migrationsbiographie – recherchieren zum DDR-Grenzregime und sprechen mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. Sie bringen die gesammelten Erinnerungen, ihre eigenen Erfahrungen, Emotionen und Ideen für die Motion Comics ein. Dabei erhalten sie Unterstützung durch Experten und Expertinnen sowie Künstlerinnen und Künstler.

Im Laufe des Projektzeitraumes werden vier Motion Comics zu den Themenschwerpunkten „Grenzübertritte“, „Flucht und Ausreise“, „Geteilte Geschichte(n)“ und „Ankommen in der Fremde“ erarbeitet.

Den ersten Motion Comic können Sie hier sehen. Er verflechtet die Schicksale zweier Menschen an der innerdeutschen Grenze.

Zur Premiere des Comics standen die Macherinnen und Macher Rede und Antwort. 

Das Projekt wird finanziert durch das Bundesprogramm „Jugend erinnert“.

 

„Der Osten vom Westen: Das Zonenrandgebiet entlang der innerdeutschen Grenze“ | 16. Juni 2022, um 17 Uhr

Als das DDR-Regime am 26. Mai 1952 die innerdeutsche Grenze abriegelte, wurde die niedersächsische Stadt Helmstedt von einem Tag auf den anderen von ihren gewachsenen Beziehungen in die Magdeburger Börde abgeschnitten. Helmstedt war aus der Mitte des Landes ins „Zonenrandgebiet“ gefallen. So erging es hunderten Ortschaften im Osten der Bundesrepublik.
In ihrem Vortrag arbeitete Astrid M. Eckert (Professorin an der Emory University, USA) die Folgen der Grenzschließung und die Umstände heraus, die zur Entstehung des westdeutschen „Zonenrandgebietes“ führten. Darüber hinaus blickte sie auf dessen Bedeutung für die bundesdeutsche Geschichte. Als räumliche Einheit war das Zonenrandgebiet aufs Engste mit der alten Bundesrepublik verbunden: Es entstand mit der Teilung und verschwand mit der Wiedervereinigung.

Länderübergreifender Schülerprojekttag | 13. Juni 2022

Schülerinnen und Schüler aus Sachsen-Anhalt und Niedersachen erkundeten am Grenzdenkmal Hötensleben und in der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn die Geschichte der deutschen Teilung.
Am 13. Juni erlebten rund 200 Schülerinnen und Schüler aus Sachsen-Anhalt und Niedersachsen beim länderübergreifenden Schülerprojekttag gemeinsam am Grenzdenkmal Hötensleben und in der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn die Geschichte der deutschen Teilung. In diesem Jahr stand das Projekt anlässlich des 70. Jahrestages der Abriegelung der innerdeutschen Grenze am 26. Mai 1952 unter dem Motto „Trauma Grenzschließung 1952 – Abriegelung, Zwangsaussiedlung, Flucht“.

Dabei erkundeten die Jugendlichen in kleinen Gruppen eigenständig das Gelände des Grenzdenkmals Hötensleben und der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn und sprachen mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen über die Abriegelung der Grenze und die Folgen der deutschen Teilung für Ost und West.

Die Ministerin für Bildung des Landes Sachsen-Anhalt, Eva Feußner, begrüßte die Schülerinnen und Schüler. „Dieser Projekttag ermöglicht jungen Menschen aus zwei Bundesländern die hautnahe Berührung mit der jüngeren deutschen Geschichte und sie lernen dank der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen Dinge, die sie selbst nicht erlebt haben und die sie nur aus Lehrbüchern allein nie erfahren könnten“, würdigte Sachsen-Anhalts Bildungsministerin Eva Feußner.

Die Staatssekretärin des niedersächsischen Kultusministeriums, Gaby Willamowius, schickte den Jugendlichen ihre Grüße: „Ich wünsche euch, dass ihr durch den heutigen Besuch der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn viele Eindrücke mitnehmt, um euch nicht nur im Unterricht, sondern vielleicht auch mit der Familie oder mit Freundinnen und Freunden darüber auszutauschen und Lehren aus den Ereignissen der Vergangenheit zu ziehen. Das wäre ein Lernen für die Gegenwart und Zukunft im besten Sinne.“

„Wir sind sehr dankbar, dass wir so viele Menschen aus der Region gewinnen konnten, den Schülerinnen und Schülern aus ihrem persönlichen Erleben heraus vom Leben an und mit der Grenze zu erzählen. Die Berichte von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen vermitteln einen direkten Zugang zu den Folgen der Grenzschließung und den Auswirkungen der Teilung für individuelle Lebenswege. Das ist eine enorme Bereicherung für unsere Bildungsarbeit und ein nachhaltiges Erlebnis für die jungen Menschen.“, erklärt Dr. Susan Frisch, die Leiterin der Gedenkstätte.

Der länderübergreifende Schülerprojekttag fand nach zwei Jahren Pause aufgrund der Covid-19-Pandemie nunmehr zum 11. Mal statt. Es handelt sich dabei um ein bewährtes Kooperationsprojekt des Niedersächsischen Kultusministeriums, des Ministeriums für Bildung des Landes Sachsen-Anhalt, der Landeszentrale für politische Bildung des Landes Sachsen-Anhalt und der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt. In diesem Jahr nahmen das Norbertus-Gymnasium Magdeburg, das Gaußschule Gymnasium am Löwenwall, Braunschweig und die Eichendorff-Schule Wolfsburg am länderübergreifenden Schülerprojekttag teil.

Vortrag und Gespräch „Reise durch Feindesland? Der Transit als deutsch-deutscher Erfahrungsraum“ | 2. Juni 2022, um 17 Uhr

Das Transitabkommen zwischen der Bundesrepublik und der DDR erleichterte ab dem 3. Juni 1972 für viele Westdeutsche die Durchreise von und nach West-Berlin über das Territorium der DDR. Es sorgte für eine zeitsparende Abfertigung an den Grenzübergängen und legte zugleich strenge Richtlinien für die Nutzung der Transitstrecken fest.
Auf diese Weise wurde der Transit für Millionen von Frauen, Männern und Kindern über beinahe zwei Jahrzehnte hinweg zu einem eigenen Erfahrungsraum: Die Geschichten von den Passkontrollen an DDR-Grenzübergangsstellen wie Marienborn oder Hirschberg, von holprigen DDR-Autobahnen und übergenauen Volkspolizisten bei Tempokontrollen gruben sich in das Gedächtnis vieler Westdeutscher. Zugleich prägte der Durchreiseverkehr auch das Leben der Ostdeutschen. Rasthöfe wurden zu Treffpunkten mit Verwandten, zu Schau-Plätzen und Schaufenstern der Lebensweise des Westens.
Der 50. Jahrestag des Inkrafttretens des Abkommens soll als Anlass dienen, das Reisen durch „Feindesland“ zu thematisieren und zu fragen, wie der Systemkonflikt die jeweiligen Wahrnehmungsweisen prägte. Was bedeutete der Transit für westliche Reisende und was für Anwohner:innen? Darüber sprechen die Historikerin Dr. Franziska Kuschel von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, der ZDF-Journalist und Transitreisende Christhard Läpple sowie der Autor und Poetry Slammer Micha Ebeling, der in einem Ort an der Transitstrecke bei Magdeburg aufwuchs. Moderiert wird das Gespräch von Dr. Susan Frisch, Leiterin der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn.
Der Eintritt ist kostenfrei.

Gedenkstunde für die Opfer des DDR-Grenzregimes | 26. Mai 2022, um 11 Uhr am Grenzdenkmal Hötensleben

Das öffentliche Gedenken an die Grenzschließung 1952 und die Zwangsaussiedlungen aus dem Sperrgebiet der DDR ist – anders als der Bau der Berliner Mauer 1961 – kaum ausgeprägt.

Anlässlich des 70. Jahrestages der Abriegelung der innerdeutschen Grenze am 26. Mai 1952 luden die Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt/Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn, der Grenzdenkmalverein Hötensleben e.V. und der Helmstedter Verein Grenzenlos – Wege zum Nachbarn e.V. zur Gedenkstunde am Grenzdenkmal Hötensleben ein.