Wechselausstellungen

„Digitale Fotokompositionen“ Mischa Naue Ausstellung vom 3. Oktober 2018 bis 6. Januar 2019

Nach 30 Jahren kehrt Mischa Naue (*1963) an den ehemaligen DDR-Grenzübergang Marienborn zurück. Der historische Ort an der einstigen Grenze zwischen Ost und West ist eine Station im bewegten Leben des Berliners.

Wegen seiner Versuche, aus der DDR zu fliehen, wurde Naue 1983, im Alter von 19 Jahren, festgenommen. Nach Verhören und Einzelhaft in der Stasi-Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen war er acht Monate in der Strafvollzugseinrichtung Naumburg eingesperrt. Von der Bundesrepublik freigekauft, lebt er seit 1985 in West-Berlin.

Wie viele West-Berliner nutzte er für Reisen in Richtung Hannover oder München die Transitwege durch die DDR. Ein Wochenendausflug zu Freunden in Peine endete 1987 für ihn an der Grenzübergangsstelle Marienborn. Unter dem Verdacht, seinen Wagen als „Funkerauto" für illegale Zwecke zu verwenden, wurde Naue in einem Verwahrraum festgehalten – eine Zeit der qualvollen Ungewissheit über das Vorgehen der Staatsmacht, aus deren Zugriff er sich befreit zu haben glaubte.

Seine Erfahrungen in der DDR und das einschneidende Erlebnis am Grenzübergang Marienborn hat er in Form von Erzählungen in seinem Buch „Gefangen mit Buddha" (2015) verarbeitet.

Das Gefühl des Ausgeliefertseins begleitet Mischa Naue auch heute noch beim Besichtigen des Geländes und seiner funktionalen Architektur. Seine im Jahr 2017 geführte fotografische Auseinandersetzung mit dem historischen Ort besteht daher nicht in einer klassischen Dokumentation. Naue nutzt die erhaltenen Strukturen auch für kreative digitale Interventionen, mit denen er neue Ansichten komponiert.